BESONDERHEITEN

Kundenspezifisch oder in Serie: Wo im Maschinenbau Marge entsteht

Viele Maschinen- und Anlagenbauer verbinden kundenspezifische Aufträge mit Serien- und Baukastenprodukten. Beide Geschäfte folgen eigenen Regeln, und in beiden entscheidet sich, wo Marge entsteht und wo sie verloren geht.

Kalkulation und Varianten entscheiden über die Marge. Ob Sondermaschine oder Serienprodukt mit Optionen: Wer Angebote, Varianten und Sonderwünsche zu optimistisch kalkuliert, verliert die Marge, bevor die Fertigung beginnt.

Durchlaufzeiten und Bestände binden Kapital. Bei kundenspezifischen Aufträgen liegen zwischen Auftragseingang und Schlussrechnung oft viele Monate. Im Seriengeschäft binden Material, Halbfabrikate und Fertigwaren Liquidität.

Die Nachfrage schwankt stark. Investitionsgüter reagieren früh auf die Konjunktur. Wer seinen Auftragsbestand nicht vorausschauend steuert, merkt den Abschwung erst, wenn die Fertigung leer läuft.

Der Service trägt einen Teil des Ertrags. Ersatzteile, Wartung und Modernisierungen sind oft margenstärker als das Neugeschäft. In vielen Unternehmen werden sie jedoch nebenbei geführt.

Marktlage · Stand: Oktober 2026

Die Erholung kommt bei vielen Mittelständlern nicht an

Die Auftragseingänge der Schweizer Tech-Industrie lagen im ersten Halbjahr 2026 um 12,1 Prozent über dem Vorjahr. Getragen wurde das Wachstum aber fast nur von den Grossunternehmen: Die Umsätze der KMU sanken im selben Zeitraum um 3,8 Prozent. Die Kapazitätsauslastung lag mit 81,1 Prozent deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von 85,6 Prozent, und rund ein Viertel der Unternehmen schrieb im Vorjahr eine negative EBIT-Marge.

In Deutschland rechnet der VDMA für 2026 mit einem realen Produktionsrückgang von 2 Prozent im Maschinen- und Anlagenbau, dem vierten in Folge. Die Zahl der Grossinsolvenzen im deutschen Maschinenbau lag 2025 mit 38 Fällen deutlich über dem Fünfjahresmittel. In der Schweiz erreichten die Firmeninsolvenzen im ersten Halbjahr 2026 den höchsten Stand seit 1994. Ein Teil des Anstiegs geht darauf zurück, dass öffentliche Gläubiger offene Forderungen seit der Revision des Betreibungsrechts konsequenter einfordern.

Wer heute wartet, bis die Nachfrage zurückkommt, verliert Zeit. Die Unternehmen, die jetzt ihre Prozesse, ihren Vertrieb und ihr Working Capital in Ordnung bringen, gehen gestärkt aus der Schwächephase.

Quellen: Swissmem, Medienmitteilung vom 24.08.2026; VDMA, Konjunkturprognose September 2026; Falkensteg, Auswertung Grossinsolvenzen 2025; Dun & Bradstreet Schweiz, 1. Halbjahr 2026.

+12,1 %

Auftragseingang der Schweizer Tech-Industrie im 1. Halbjahr 2026

−3,8 %

Umsatz der Schweizer KMU im selben Zeitraum

81,1 %

Kapazitätsauslastung, langjähriger Durchschnitt 85,6 %

rund ¼

der Unternehmen mit negativer EBIT-Marge im Vorjahr

38

Grossinsolvenzen im deutschen Maschinenbau 2025

seit 1994

nicht mehr so viele Firmeninsolvenzen in der Schweiz wie im 1. Halbjahr 2026

Frühwarnsignale

Woran Sie erkennen, dass Handlungsbedarf besteht

Probleme im Maschinenbau zeigen sich selten zuerst in der Erfolgsrechnung. Sie zeigen sich bei den Kunden, im Auftragsbestand und in den Projekten.

  • Die Rohertragsmarge sinkt, obwohl der Umsatz stabil ist. Ein Teil der Projekte endet unter Plan, ohne dass jemand genau sagen kann, warum.
  • Es fehlt Transparenz über die operativen Leistungsprozesse. Ausserhalb der Finanzbuchhaltung gibt es kaum Kennzahlen zu Liefertreue, Durchlaufzeit oder Produktivität.
  • Die Liefertreue sinkt. Zugesagte Termine werden verschoben, Kunden eskalieren, und der Vertrieb verbringt mehr Zeit mit Beschwichtigen als mit Verkaufen.
  • Nachkalkulationen fehlen oder kommen zu spät. Erst am Jahresende zeigt sich, welche Aufträge Geld gekostet haben.
  • Die Book-to-Bill-Ratio fällt unter 1. Der Auftragsbestand schmilzt, während die Kapazitäten noch auf Wachstum ausgelegt sind.
  • Die Variantenvielfalt wächst, ohne dass es eine Deckungsbeitragsrechnung je Produkt, Option und Kunde gibt.

Treffen mehrere dieser Signale zu, lohnt sich eine nüchterne Standortbestimmung, bevor die Zahlen es erzwingen.

Mehr zum Corporate Health Check
Schematische Darstellung typischer Frühwarnsignale im Maschinen- und Anlagenbau, von der sinkenden Rohertragsmarge bis zur wachsenden Variantenvielfalt

Hebel

Fünf Hebel für Ergebnis und Liquidität

Ergebnis und Liquidität hängen selten an einer einzelnen Abteilung. Wachstum, Marge, Komplexität, Effizienz und Cash beeinflussen sich gegenseitig, deshalb betrachten wir sie gemeinsam.

Wachstum. Wir schärfen die Kundenprofile, legen fest, welche Kunden und Branchen aktiv angesprochen werden, und machen die Pipeline steuerbar: mit klaren Stufen, Abschlusswahrscheinlichkeiten und Verantwortlichen. Dazu gehört auch das Service- und Ersatzteilgeschäft, das in vielen Unternehmen nebenbei geführt wird. Sollen neue Kundengruppen oder Märkte erschlossen werden, richten wir Positionierung und Vertrieb im Rahmen einer Transformation mit Ihrem Führungsteam neu aus.

Marge. Die Marge entsteht in der Angebotskalkulation und wird in der Nachkalkulation sichtbar. Wir schaffen eine belastbare Preisfindung, vergleichen Plan und Ist je Auftrag und senken die Materialkosten durch gebündelte Bedarfe, nachverhandelte Konditionen und geprüfte Make-or-Buy-Entscheide. Solche Massnahmen sind typischerweise Teil einer Optimierung, mit der ein grundsätzlich gesundes Unternehmen seine Ertragskraft stärkt.

Komplexität. Jede zusätzliche Variante, Option und Sonderlösung kostet in Konstruktion, Einkauf, Fertigung und Service. Wir machen den Deckungsbeitrag je Produkt, Option und Kunde sichtbar, bauen Baukastensysteme aus und bereinigen das Sortiment dort, wo Varianten keinen Beitrag leisten. Warum Komplexität Ertrag kostet und wie die Fokussierung auf das Kerngeschäft gelingt, beschreiben wir im Beitrag Spitzenleistung durch strategische Fokussierung.

Effizienz. Von der Auftragsklärung über Konstruktion und Fertigungsplanung bis zur Inbetriebnahme machen wir den Kernprozess Auftragsabwicklung messbar und verkürzen Rüst- und Durchlaufzeiten. Ebenso prüfen wir Personal- und Gemeinkosten in Produktion und Verwaltung. Wie wir dabei gemeinsam mit Ihren Teams vorgehen, beschreiben wir unter Operational Excellence.

Cash. Anzahlungen, Meilensteinrechnungen, Zahlungsbedingungen und Bestände entscheiden über die Liquidität. Wir setzen klare Regeln für Anzahlungen und Meilensteine, senken Bestände mit ABC/XYZ-Logik und machen das Bestellobligo sichtbar. Ist die Liquidität bereits angespannt, wird das Working Capital zum zentralen Baustein einer Restrukturierung.

Fünf Hebel für Ergebnis und Liquidität im Maschinenbau: Wachstum, Marge, Komplexität, Effizienz und Cash mit typischen Ansatzpunkten

KENNZAHLEN

Welche Kennzahlen eine Geschäftsführung im Maschinenbau monatlich sehen sollte

Wenige, aber verlässliche Kennzahlen genügen, um ein Maschinenbauunternehmen zu steuern. Entscheidend ist, dass sie regelmässig, vergleichbar und vorausschauend sind.

  • Auftragseingang und Book-to-Bill-Ratio: Das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz zeigt, ob der Auftragsbestand wächst oder schrumpft.
  • Gewichtete Vertriebspipeline: Offene Angebote, bewertet mit ihrer Abschlusswahrscheinlichkeit, zeigen die erwartete Auslastung der kommenden Monate.
  • Liefertreue: Der Anteil der Aufträge, die zum bestätigten Termin ausgeliefert werden, ist der wichtigste Frühindikator für die Kundenzufriedenheit.
  • Projektmarge Plan/Ist: Der Vergleich der kalkulierten mit der erreichten Marge je Auftrag zeigt, wo Geld verloren geht.
  • Durchlaufzeit: Die Zeit vom Auftragseingang bis zur Auslieferung bestimmt Liefertreue und Kapitalbindung zugleich.
  • Bestellobligo: Die Summe der offenen Bestellungen bei Lieferanten macht künftige Zahlungsabflüsse sichtbar, bevor sie anfallen.
  • Lagerbestand nach ABC/XYZ: Die Einteilung nach Wert und Regelmässigkeit des Verbrauchs zeigt, wo Kapital ohne Nutzen gebunden ist.
  • Rohertragsmarge: Sie fasst all diese Grössen in der Erfolgsrechnung zusammen; ihr Verlauf zeigt, ob die Massnahmen wirken.
CEO-Cockpit Maschinenbau: Auswahl monatlicher Kennzahlen von Auftragseingang und Book-to-Bill-Ratio bis Rohertragsmarge

Die Auswahl ist nicht abschliessend; welche Kennzahlen passen, hängt vom Geschäftsmodell ab. Im CEO-Cockpit führen wir diese Kennzahlen auf drei Ebenen zusammen, von der Geschäftsführung bis zum Kernprozess.

Mehr zum CEO-Cockpit

Unsere Themenschwerpunkte

Mit massgeschneiderten Ansätzen und bewährten Methoden unterstützen wir Sie bei der Ausrichtung und Weiterentwicklung Ihres Unternehmens - unabhängig und ausgehend von Ihrer aktuellen wirtschaftlichen Situation.

Transformation: Entwicklungs- und Bürobereich eines Industrieunternehmens

Transformation

Schärfen Sie Ihre Strategie und Entwickeln Sie eine ganzheitliche Ausrichtung zur Realisierung von Wachstumschancen.  

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Optimierung: Fertigungsbereich mit Montagearbeitsplätzen und Materialfluss

Optimierung

Steigern Sie Ihre Problemlösungskapazität und entwickeln Sie Ihre Organisation vom Mittelmass zur Spitzenleistung.  

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Restrukturierung: Produktionshalle mit Anlagen und Werkerarbeitsplätzen

Restrukturierung

Sichern Sie die Überlebensfähigkeit Ihres Unternehmens durch strukturelle Eingriffe und eine nachhaltige Ertragsoptimierung.

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Sanierung: Fertigungsbereich eines Industrieunternehmens mit Anlagen und Mitarbeitenden in Bewegung

Sanierung

Sichern Sie Liquidität und Fortbestand Ihres Unternehmens und stellen Sie seine Ertragskraft nachhaltig wieder her.

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AUS DER PRAXIS

Zwei Maschinenbauer, zwei Ausgangslagen

Fallbeispiel Optimierung bei einem Sondermaschinenbauer: Titelbild des Blogartikels

Optimierung bei einem Sondermaschinenbauer

Ein weltweit tätiger Sondermaschinenbauer mit rund EUR 130 Millionen Umsatz war über Jahre erfolgreich. Doch zugesagte Liefertermine wurden nur in 60 Prozent der Fälle eingehalten, die Bestände reichten für mehr als 250 Tage, und ausserhalb der Finanzbuchhaltung fehlten Kennzahlen zu den Kernprozessen. In wenigen Workshop-Tagen entstand ein Programm mit sechs Bausteinen, das die eigenen Teams umsetzen.

Fallbeispiel lesen
Fallbeispiel Restrukturierung mit Geschäftsführung auf Zeit: Titelbild des Blogartikels

Geschäftsführung auf Zeit bei einem Sondermaschinenbauer

Im Auftrag des Eigentümers haben wir die Geschäftsführung eines Sondermaschinenbauers mit rund 80 Mitarbeitenden übernommen. Ausgangslage waren eine dysfunktionale Organisation, ein Investitionsstau und unzufriedene Kunden. Nach zwei Jahren lag der Umsatz um 23 Prozent höher und die Bruttoertragsmarge um 7 Prozentpunkte. In der Produktion stieg die Ausbringung um 50 Prozent, bei einer um 30 Prozent kleineren Mannschaft.

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ERFAHRUNG

Management- und Praxiserfahrung aus der Industrie

Unser Team verbindet Management-Erfahrung mit technisch-praktischer Erfahrung aus der Industrie. Wir kennen produzierende Unternehmen nicht nur aus Analysen, sondern auch aus der Verantwortung für Ergebnis, Mitarbeitende und Kunden. Deshalb sprechen wir dieselbe Sprache wie Ihre Geschäftsleitung und Ihre Fertigung, und unsere Lösungen funktionieren im Alltag.

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HÄUFIGE FRAGEN

Häufige Fragen zur Beratung im Maschinen- und Anlagenbau

Für welche Maschinen- und Anlagenbauer arbeitet 10-P Consult?

Für Unternehmen mit rund 30 bis 500 Mitarbeitenden in der Deutschschweiz und in Süddeutschland, vom Sondermaschinenbau über Werkzeug- und Verpackungsmaschinen bis zum Anlagenbau. Typisch sind kundenspezifische Aufträge, ein hoher Konstruktionsanteil und ein eigener Service.

Arbeiten Sie auch im Anlagenbau?

Ja. Im Anlagenbau sind die Projekte grösser und die Laufzeiten länger. Umso wichtiger sind eine belastbare Projektkalkulation, Meilensteinrechnungen und ein laufender Plan-Ist-Vergleich je Projekt.

Wie gehen Sie mit kundenspezifischen Aufträgen und Seriengeschäft um?

Im kundenspezifischen Geschäft betrachten wir jeden Auftrag als Projekt mit eigener Marge und setzen bei Angebotskalkulation, Auftragsklärung und Nachkalkulation an. Im Seriengeschäft stehen Deckungsbeiträge je Produkt und Variante im Vordergrund.

Worin unterscheiden Sie sich von einer Lean-Beratung?

Lean-Methoden sind ein Werkzeug unter mehreren. Wir betrachten das ganze Unternehmen, von der Positionierung über Vertrieb und Einkauf bis zu den Kennzahlen, und setzen Operational Excellence dort ein, wo sie den grössten Hebel hat.

Was ist, wenn die Lage bereits kritisch ist?

Dann hat die Sicherung der Liquidität Vorrang. Auf Wunsch übernehmen wir die Geschäftsführung auf Zeit oder die Rolle des Chief Restructuring Officer.

Mehr zur Sanierung

Wie beginnt eine Zusammenarbeit?

Mit einer Standortbestimmung. Der Quick Health Check ist in fünf Minuten ausgefüllt und zeigt, in welchem Zustand sich Ihr Unternehmen befindet und welche Handlungsfelder den grössten Hebel bieten – als fünfseitiges Profil, von einem erfahrenen Berater geprüft und kostenlos.

STANDORTBESTIMMUNG

Wo steht Ihr Unternehmen?

Der Quick Health Check ist in fünf Minuten ausgefüllt und zeigt, in welchem Zustand sich Ihr Unternehmen befindet und welche Handlungsfelder den grössten Hebel bieten – als fünfseitiges Profil, von einem erfahrenen Berater geprüft und kostenlos.